Die eigene Traum-Bücherei

Stendal Magazin Ausgabe Dezember 2018, Sebastian Wienecke

Seit 12 Jahren betreibt Tom Weber im Gebäude des Jugendclubs Möringen seine eigene kleine Bibliothek. Damit lebt er umgeben von Büchern einen stetig wachsenden Kindheitstraum aus, mit Unterstützung der Ortschaft, die ihn schon mehrfach für sein Engagement auszeichnete.

„Das sollte ja gar nicht so groß werden“, fasst Tom Weber die Entwicklung seiner Bücherei zusammen. Seit 2006 betreut der 33-Jährige einen kleinen Raum im Möringer Jugendclub, in dem Bücher aller möglichen Genres und Autoren zur Ausleihe bereitstehen.
Als ihm die Jugendclubleiterin Erika Schmidt das Zimmer damals überließ, begann das Unterfangen mit einem einzelnen Regal. Nun muss er einen Teil seines Sortiments schon in den Vorraum auslagern, da sonst nicht genug Platz wäre. „Der Schrank wird nicht leer“, versichert er, als er gerade einen ganzen Korb mit Büchern aus dem Vorrat füllt.

Der Traum von der eigenen Bibliothek

Die eigenen Bücher war schon in jungen Jahren eine Faszination und Traum Webers. Er interessierte sich damals für die Systeme, mit denen in Bibliotheken gearbeitet wird, behalf sich in den ersten Jahren aber erst mal mit einer einfachen Excel-Tabelle. Mittlerweile braucht er das professionellere Programm PS-Biblio, um den Überblick zu behalten. Über ein eigenes System können sich die Leser auch indirekt miteinander austauschen – über kleine Zettel geben sie Urteile und Sternbewertungen ab, die die Buchrücken schmücken.
Bis 2016 hieß das Bücher-Idyll noch schlicht Dorfbibliothek Möringen, nach dem zehnten Jubiläum wurde sie nach ihrem Betreiber in den heutigen Namen umgetauft: Toms Büchertraum, passend zu seinen Ambitionen, die die Bibliothek überhaupt erst mit ermöglichten. Im Jahr darauf wurde auch eine Rampe angebracht, dank der er nun mit seinem Rollstuhl, den er wegen einer cerebralen Bewegungsstörung benutzt, frei über sein kleines Reich verfügen kann. Die Bücher, die er anbietet, stammen aus privaten Spenden. Mittlerweile ist genug zusammengekommen, dass gelegentlich auch Titel aussortiert werden müssen. Besonders Bücher aus DDR-Zeiten finden ihm zufolge keine Leser in Möringen.

„Bereicherung der Lebensqualität“

Selbst hat Weber eine Schwäche für Science Fiction und Fantasy und nennt dabei Wolfgang Hohlbein als einen seiner Lieblingsautoren. Unter seinen Kunden und besonders den Kundinnen würden eher Liebesromane bevorzugt, sagte er. Die Bücher müssen nicht unbedingt persönlich abgeholt werden, mit der Pendeltasche und in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe, bei der Weber vormittags selbst arbeitet, werden Bücher an diejenigen geliefert, die auf den Dienst angewiesen sind. „Es ist eine Bereicherung der Lebensqualität, wenn Menschen mit und ohne Beeinträchtigung in der Freizeit lesen können“, erklärt Weber auf einer CD, auf der er die Geschichte der Bibliothek zusammenfasst.
Die CD hat er zu großen Teilen selbst gestaltet, ebenso wie seine Flyer. Denn abseits der Literatur hat Weber auch eine ausgeprägte kreative Ader, die sich in seinen organisierten Bastelabenden und der Bücherfaltkunst Orimoto zeigt. So auch am nächsten Tag der offenen Tür, der am 14. Dezember im Jugendclub abgehalten wird.

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