Ehrenamtliches Engagement findet keine Resonanz

Zeitungartikel: April 2010, von Doreen Schulze

In Möringen gibt es eine Dorfbibliothek, aber nur wenige nutzen sie. Um die Einrichtung vorzustellen, und um Anregungen für mehr Nutzerfreundlichkeit zu finden, lud der ehrenamtliche Bibliothekar Tom Weber am Freitagabend zu einer Diskussionsrunde ein. Die Resonanz war verhalten, dennoch wurden interessante Ideen auf den Weg gebracht.

Möringen. Eine Dorfbibliothek aufzubauen, das war der Traum von Tom Weber. Der junge Rollstuhlfahrer konnte sich diesen Traum erfüllen. 2006 eröffnete er in den Räumlichkeiten des Jugendklubs seine Bücherei. Bücher, Videos und Hörbücher, die ausgeliehen werden können, wurden aus Spenden zusammengetragen. Das Angebot ist attraktiv und dennoch nutzen viele Einwohner des Ortes und der näheren Umgebung dieses Potenzial nicht.

Um die Bibliothek vorzustellen, aber auch um Anregungen für Nutzerfreundlichkeit beziehungsweise für Neuanschaffungen der Medien zu erhalten, lud Tom Weber zu einem Diskussionsabend ein. Mit belegten Brötchen, Saft, Sekt und jeder Menge Ideen wartete er auf seine Gäste. Von den 50 verschickten Einladungen kamen aber nur sieben Leser in den Jugendklub. Dennoch ließ sich Tom Weber nicht den Mut nehmen und erarbeitete mit seinem treuen Kundenstamm neue Konzepte.

Einig waren sich alle darüber, dass die Öffnungszeiten sich bewährt haben und nicht verändert werden müssen. Die Zeiten sind an die Öffnungszeiten des Jugendklubs gebunden. Bibliotheksnutzer sind montags und mittwochs von 16.30 bis 17.30 Uhr willkommen. Freitags ist die Bücherei von 16 bis 18 Uhr geöffnet.

Pendeltasche bringt Lesestoff frei Haus

Das Angebot reicht von Romanen, Biographien, Krimis, Sachbüchern über Kinderbücher bis hin zum Hörbuch und zur Videokassette. Anregungen für Themenschwerpunkte bei der Neuanschaffung von Medien gab es aufgrund der geringen Teilnehmerzahl nicht.

Zu neuen Ideen, die in diesem Jahr umgesetzt werden können, überlegte sich Tom Weber, die attraktive Pendeltasche, die sich bereits bei der Lebenshilfe in Tangerhütte bewährt hat, auch für ältere Bürger des Ortes anzubieten. Bisher können Mitarbeiter der Lebenshilfe eine Buchbestellung bei Weber aufgeben. Der junge Mann bringt den gewünschten Lesestoff aus seiner Bibliothek zu den Lesern nach Tangerhütte. Ähnliches könnte es auch in Möringen geben. Ältere Einwohner, die nicht mehr gut zu Fuß sind, einen gemütlichen Leseabend aber nicht verschmähen, könnten davon profitieren. Bisher, so Weber, habe aber niemand diese Leistung in Anspruch genommen.

Eine Idee, dieses Angebot besser publik zu machen, ergab sich aus der knapp zweistündigen Diskussionsrunde: Faltblätter sollen den Senioren ins Haus gebracht werden. Weber erhofft sich, wenn einige dieses Angebot nutzen, dass durch Mundpropaganda mehr Zulauf kommt. Wenn dies der Fall ist, könnte ein Pendeltasche. Zudem hofft Tom Weber neben der Lebenshilfe weitere Einrichtungen für die Nutzung der Pendeltasche begeistern zu können.

Aber auch die jungen Leser will der Bibliothekar nicht außer Acht lassen. Um sie an das Lesen heranzuführen, möchte er mit dem Hort des Ortes zusammenarbeiten. Die Kinder können sich in der Bibliothek und im Jugendklub umschauen. Dabei könnte gemeinsames Basteln oder Kochen nach Vorlage aus Büchern der Bücherei angeboten werden.

Weshalb die modern ausgestattete Bibliothek in Möringen nur von wenigen Nutzern frequentiert wird, darüber machten sich die Gäste des Diskussionsabends Gedanken. Edeltraut Rosendahl, Leserin und in der Bücherei rechte Hand von Tom Weber, vermutet, dass die Behinderung des jungen Mannes für viele  eine Hemmschwelle ist. Sie regte an, Möglichkeiten der Begegnung zu schaffen, bei denen diese Hemmungen abgebaut werden können. Sie fordert den Respekt der Behinderung. Eine Gelegenheit des Austauschs erhoffen sich Edeltraud Rosendahl und Tom Weber von den Seniorennachmittagen der Gemeinde, die mitunter im Jugendklub stattfinden. „Die Senioren sind dann vor Ort und können  auch meine Bibliothek besuchen“, so Tom Weber.

 

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